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Oper von Richard Wagner
Der Ring des Nibelungen
Ein Bühnenfestspiel für drei Tage und einen Vorabend (1876)
Text vom Komponisten
Zweiter Tag: Siegfried
Drei Akte
Premiere am 17. April 2011
Wiederaufnahme am 21. Juni 2012
Fernab jeglicher Zivilisation wächst Siegfried zwischen Werkbank und Küche in der Obhut des Nibelungen Mime auf, der ihm »Vater und Mutter zugleich« ist. Doch von einer unbestimmten Unruhe getrieben, ahnt der Heranwachsende, dass irgendetwas nicht stimmt an seinen äußeren Lebensumständen. Seinem vermeintlichen Vater und dessen übertriebener Mütterlichkeit begegnet er mit Misstrauen und zunehmender Abscheu. Gewaltsam entwindet er dem Widerstrebenden das Geheimnis seiner wahren Identität: Siegfried ist der Sohn des im Kampf getöteten Siegmund und der bei seiner Geburt verstorbenen Sieglinde. Mime freilich verfolgt mit seiner zum großen Teil geheuchelten Bemutterung durchaus eigennützige Interessen, soll Siegfried doch Fafner, den Besitzer des Nibelungenhortes, töten und Mime so den Ring beschaffen, der unermessliche Macht verheißt. Den tatendurstigen Zögling lockt er zur Ausführung seines Plans mit der Aussicht auf wilde Abenteuer, bei denen er auch etwas bis dahin völlig Unbekanntes kennen lernen könnte: die Angst. In seiner naiven und ungestümen Art gelingt Siegfried das, was Mime so oft vergeblich versuchte: Aus den Stücken von Siegmunds Schwert »backt« Siegfried eine neue Waffe! Während er »das Eisen zu Brei brennt«, braut Mime ihm ein Getränk, das Siegfried nach vollbrachter Tat töten soll. Ohne sich der Tragweite seines Tuns oder der Bedeutung des erbeuteten Schatzes bewusst zu sein, tötet Siegfried Fafner und kommt Mimes List zuvor, indem er auch diesen kurzerhand umbringt. An nichts und niemanden mehr gebunden, macht er sich auf zu neuen Abenteuern und trifft nicht nur auf ein anderes menschliches Wesen, sondern lernt in der Tat etwas ihm bis dahin völlig Unbekanntes kennen: Liebe und Begehren.
Mit Siegfried ist Wagner im Verlauf seiner Tetralogie bei der Generation der Enkel angelangt. Frei und unabhängig soll er sein, der strahlende Held, der für Göttervater Wotan die Kohlen aus dem Feuer holen, sprich: den verfluchten Ring wiedererlangen soll. Aber zu viel Abgeschiedenheit ist möglicherweise nicht die allerbeste Voraussetzung für einen strahlenden Helden. Denn was in der Obhut des schrullig-skurrilen Mime in totaler Isoliertheit heranwuchs, ist ein ahnungsloser »Freak«, der Skrupel nicht zu kennen scheint, weil er sie schlichtweg von niemandem gelernt hat. Als er schließlich seinem Großvater Wotan gegenüber steht – ohne sich dessen jedoch bewusst zu sein –, begegnet er diesem mit derselben Ungerührtheit, mit der er auch seinen ebenso listigen wie lästigen Ziehvater Mime aus dem Weg geräumt hat. In der beinahe tragischen Figur Mimes aber zeigt sich abermals, wie Wagner kurioserweise gerade mit der Verwendung antisemitischer Klischees seine spannendsten und mitunter vielschichtigsten Charaktere schafft. Das schon in den ersten beiden Teilen der Tetralogie mehrfach angeklungene Motiv der Unbehaustheit und der Heimatlosigkeit hingegen bekommt in dem mit aller Gewalt aus dem als Lüge entlarvten »elterlichen« Hause in die Welt hinausdrängenden Titelhelden ein weiteres Gesicht.
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