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Faust
Oper von Charles Gounod (konzertante Aufführung)
Libretto von Jules Paul Barbier und Michel Florentin Carré
nach Carrés Drame fantastique »Faust et Marguerite« (1850) und »Faust. Der tragödie erste Teil« (1806) von Johann Wolfgang von Goethe
In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Konzertante Premiere am 5. Mai 2011
Kein anderer Mythos wird so sehr mit den Deutschen verbunden wie der des Doktor Faust, diesem Quacksalber und Wissenschaftler aus dem frühen 16. Jahrhundert. »Faustisch« sei des Deutschen Seele, so will es das Klischee, und wenn man das Adjektiv in seiner vollen Ambivalenz zwischen Wissen und Aufschneiderei, Genialität und Scharlatanerie, Tiefsinn und wilder Spekulation, Utopie und Größenwahn versteht, scheint daran durchaus etwas Wahres zu sein – zumindest was die Geschichte der Deutschen betrifft. Seit Goethes Drama ist der Stoff zu einer Art Nationalheiligtum geworden, vor dessen Unantastbarkeit auch die deutschen Komponisten immer wieder zurückschreckten, wenn es etwa darum ging, eine Oper zu schreiben. Ausländische Komponisten wie Hector Berlioz oder Arrigo Boito kannten da weniger Skrupel, bogen sich das Sujet für ihre Bedürfnisse zurecht – und ernteten von deutscher Seite Missbilligung.
Unter allen FaustOpern ist Charles Gounods 1859 entstandenes und mehrmals überarbeitetes Werk zweifellos bis heute das bekannteste. Gounod ging schon längere Zeit mit der Idee einer FaustOper schwanger, die aber erst in Angriff genommen wurde, als sich eine Aufführungsmöglichkeit am Théâtre Lyrique abzeichnete. Dabei arbeitete er mit den Librettisten Jules Barbier und Michel Carré zusammen, die vor allem als Mitarbeiter an Offenbachs letzter Oper Hoffmanns Erzählungen bekannt sind.
Gounods Oper ist ein genuin französischer Faust geworden, dem jede deutsche Schwerblütigkeit fehlt. Bezeichnend ist dabei, dass die Oper in Deutschland noch bis in die jüngste Vergangenheit unter dem Titel Margarethe firmierte. Denn hierzulande vermisste man die metaphysische Tiefe der Geschichte, die mit dem Namen Faust verknüpft ist. Gounod und seine beiden Textdichter konzentrierten sich in ihrer Bearbeitung dagegen weniger auf den philosophischen als auf den psychologischen Aspekt der Faust-Figur und gaben dabei der GretchenTragödie stärkeres Gewicht.
Diese Verschiebung des Zentrums mag zwar für denjenigen irritierend erscheinen, der sich an Goethe orientiert. Der Faszination dieser Oper tut dies jedenfalls keinen Abbruch. Von den eingängigen und mitreißenden Nummern haben einige große Popularität jenseits des Werkzusammenhangs erlangt, wie beispielsweise die sogenannte Juwelenarie, die Ballade vom König in Thule, das Rondo vom Goldenen Kalb oder der berühmte Walzer.
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