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details
DER BARBIER VON SEVILLA - IL BARBIERE DI SIVIGLIA
27.05.2012 - 29.06.2012 : Opernhaus Hannover

Der Barbier von Sevilla
Komische Oper von Gioacchino Rossini
Komische Oper in zwei Akten (1816)
Libretto von Cesare Sterbini nach Pierre-Augstin Caron de Beaumarchais´ »Le Barbier de Séville ou la précaution inutile« (1775)

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Der gerissene Barbier Figaro unterstützt mit geschickten Tricks die Treffen und die Heirat zwischen der jungen Rosina und dem Grafen Almaviva. Gleichzeitig kommt er dem alten Bartolo ständig in die Quere, der Rosina und deren Erbschaft für sich beansprucht. So einfach läse sich die Handlung von Gioachino Rossinis Der Barbier von Sevilla aus der Tradition der Commedia dell’arte, hätten nicht die Autoren mit ihrer unerschöpflich scheinenden Erfindungslust das konventionelle Muster von dem verliebten Grafen, dem schlauen Diener und dem misstrauischen Alten angereichert mit einer Fülle von Intrigen, Lügen, Verkleidungen und unwahrscheinlichen Zufällen: Der Graf spielt einen betrunkenen Soldaten und einen Gesangslehrer, um sich Zutritt zu Bartolos Haus zu verschaffen. Ein eingeredetes Fieber lässt den echten Gesangslehrer krank nach Hause schleichen. Ein vermeintlicher Liebesbrief entpuppt sich als Wäscheliste. Der echte Brief jedoch gerät aller Manipulation zum Trotz in die falschen Hände und verhindert beinahe das glückliche Ende. Doch ein korrupter Notar und der pure Zufall, dass Bartolo einige Minuten zu spät kommt, sorgen dafür, dass Graf Almaviva und Rosina doch noch die Heiratsurkunden unterschreiben können.



Was nach einem abstrusen und chaotischen Libretto aussehen mag, ist tatsächlich die konsequente Umsetzung der Komödie Le Barbier de Séville von Pierre­Augustin Caron de Beaumarchais aus dem Jahr 1775. Nicht die Theaterformen von Beaumarchais’ Zeitgenossen, sondern das in der Nachfolge der Commedia dell’arte stehende théâtre Italien des 18. Jahrhunderts und das burleske Jahrmarktstheater standen Pate bei der Konzeption dieses französischen Schauspiels, das in immer neuen Variationen einem vertrauten Stoff Verwicklungen, Widerstände und Pointen abgewinnt und Kategorien wie Logik und Natürlichkeit außer Acht lässt. Das Unwahrscheinliche beherrscht bei Beaumarchais die scheinbar geordnete und planbare Wirklichkeit der Aufklärung. Wie Kollegen im Geiste scheinen in diesem Sinne Beaumarchais und Gioachino Rossini, der vierzig Jahre später mit seinen künstlerischen Mitteln die virtuose Barbier­Komödie des Franzosen fortschreibt. Ähnlich wie Beaumarchais’ Zufall den Figuren immer wieder das Heft aus der Hand nimmt, heben auch Rossinis berühmtes Orchestercrescendo und die motorische Rhythmik seiner Finali die Welt aus den Angeln. Die Figuren stoßen die Turbulenzen zwar an, können sich der daraus folgenden unaufhaltsamen Mechanik von Rossinis Musik schließlich jedoch nicht mehr entziehen. Gleichwohl gerät der Mensch dabei nie völlig zur willenlos zappelnden Marionette.

Vielmehr besteht die Kunst Rossinis darin, das Gleichgewicht zu halten zwischen kraftvoll handelnden, exzentrischen Charakteren und jenem Strudel der Töne, der alles mitreißt und zu dem gar nicht so unmodernen Glauben führt, an sich selbst und der Welt irre zu werden.

Termine:

Mai 2012:   
Juni 2012:   

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